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Kopfkino: The Dark Knight Rises


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“The Dark Knight Rises” war für mich zusammen mit Tarantino’s “Django Unchained” der meisterwartete Film des Jahres. Ich bin nicht nur großer Batman-Fan, sondern eben auch absolut begeistert und immer noch fasziniert von “The Dark Knight”. Die Erwartungshaltung an “TDKR” ist also so hoch gewesen, dass der Film sie eigentlich gar nicht erfüllen konnte. Stillstand ist schließlich Rückschritt. Und dass “The Dark Knight” mit Heath Ledger als Joker den wohl besten Film-Bösewicht aller Zeiten im Aufgebot hatte, machte die Sache für den letzten Teil von Nolan’s Fledermaus-Trilogie nicht einfacher. Auf der Haben-Seite konnte Nolan bereits vor Filmstart mit dem Cast punkten. Tom Hardy? Top! Anne Hathaway, Joseph Gordon-Levitt? Check! Marion Cotillard? Nice! Dazu die altbekannten Haudegen Bale, Caine, Oldman, Freeman. Ist gebongt! Sehr viel besser geht es einfach nicht.

Tom Hardy ist aktuell einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Ich empfehle den etwas verstörenden “Bronson”, falls man noch eine Kostprobe seines Könnens sucht. Und spätestens nach “Warrior” gab es für mich keinen Zweifel daran, dass Hardy der perfekte “Bane” würde. Stiernacken natürlich inklusive.

Und damit bin ich auch schon bei meiner ersten großen Enttäuschung: Tom Hardy. Oder besser gesagt, das was Chris Nolan mit Tom Hardy gemacht hat. Nämlich viel zu wenig. Das geht damit los, dass man Bane nicht ein einziges Mal ohne seine dämliche Maske sieht. Das heißt, außer Tom Hardys Halsschlagader sieht man von ihm eigentlich nichts. Garniert wird das Ganze durch eine bisweilen unfreiwillig komische Synchronisation. Man hätte also auch einen x-beliebigen Wrestler den Bane spielen lassen können und es wäre wohl niemandem aufgefallen. Was für eine Verschwendung von Talent! Hält man dann den Joker aus “The Dark Knight” dagegen, merkt man schnell was im neuen Batman fehlt: Ein richtig ernstzunehmender und fieser Gegner. Dazu passt auch, dass Bane, dank der “FSK 12”-Freigabe, sein “Trademark” nämlich exzessive und explizite Gewalt, nicht wirklich entfalten kann. Die Kämpfe mit Batman sind allenfalls “nett”. Nicht mehr. Nicht weniger. Aber zu wenig für einen Obermotz der Marke “Bane”, gespielt von Tom Hardy. Aber zu den Fights lass ich mich später noch aus …

Ansonsten bietet “TDKR” jede Menge Action für Augen und Ohren auf aller höchstem Hollywood-Blockbuster-Niveau. Was mir hier besonders gut gefällt ist die – wenn überhaupt – dezente Nutzung von CGI-Gedöns. Nolan ist großer Fan von handgemachtem Actionkino. Opulente Set-Pieces und spektakuläre Explosionen sorgen wie auch beim Vorgänger für authentisches und “dreckiges” Kino-Feeling aus fast vergessenen Zeiten. Selbst die Szenen, die offensichtlich aus dem Computer kommen müssen, sehen wunderbar rustikal und gut integriert aus.

Über die Story kann man geteilter Meinung sein. Ich fand sie nicht sonderlich kreativ oder gewagt, aber sehr funktionabel. Ein bisschen wie bei Avatar, bei dem die Kritiker ja stets die etwas formelhafte Geschichte bemängelten. Da kann man auch nicht widersprechen, aber zumindest dagegenhalten, dass es trotzdem (oder gerade deswegen?) funktioniert und Spaß macht. Wobei ich damit jetzt “TDKR” schon unrecht tue, denn er ist dann doch wesentlich komplexer und anspruchsvoller alsvdas Pocahontas-Remake von James Cameron.

Ich tue mich richtig schwer “TDKR” fair zu bewerten. Bewerte ich ihn als Batman-Fan, als Comic-Geek, der eventuell jedes Batman-Comic gelesen hat oder bewerte ich den Film oder besser gesagt die Trilogie als eigenständige Geschichte und als unabhängige Kinounterhaltung? Genau von dieser Betrachtungsweise hängt auch stark ab, wie gut oder schlecht einem “TDKR” gefällt. Ich habe mich entschieden den Film einzig nach Kino-Standards zu bewerten. Zum einen weil ich selber nicht so viel Ahnung von der Comic-Vorlage habe, und zum Anderen, weil für mich ein Film ohne jegliche Vorkenntnisse (von den unmittelbaren Filmvorgängern mal abgesehen) funktionieren und in seinem eigenen Universum schlüssig sein muss. Und das ist Christopher Nolan mit “The Dark Knight Rises” auf jeden Fall gelungen. Er hat es geschafft die Trilogie zu einem runden und zufriedenstellenden Abschluss zu bringen, der fast keine Fragen offen lässt und wie aus einem Guss wirkt.

Bewerte ich den Film also als “normaler” Kinogänger und nicht als Hardcore-Batman-Geek, habe ich aber dennoch Kritikpunkte! Den fehlenden Antagonisten sprach ich ja bereits an. Und wie schon erwähnt habe ich meine Probleme mit den Kampfszenen. Damit meine ich nicht nur zwischen Batman und Bane sondern generell. Das wirkte mir alles zu lasch, zu uninspiriert und zu sehr “Bud Spencer”. Die Schläge haben keinen Impact, wenn Batmans Faust auf Bane trifft, dann hab ich als Zuschauer nicht wirklich was gespürt. Als positives Gegenbeispiel möchte ich da “Watchmen” nennen, bei dem jeder Schlagabtausch meine Magengrube vibrieren ließ.

Mein größter Kritikpunkt an “TDKR” ist aber, dass er mir einfach zu wenig “Batman” war. Batman taucht überhaupt erst nach einer guten Dreiviertelstunde auf, ist dann erst mal tierisch Emo, was schon befremdlich genug ist, bevor er auch schon wieder verschwindet, da ja gewisse Dinge passieren, von denen ja eh jeder schon weiß, DASS sie passieren und die dann umso unspektakulärer sind, wenn sie passieren.

Er kommt spät, geht früh und kommt dann irgendwann wieder. Die meiste Zeit ist er aber weg, also als Batman und existiert nur als verkümmerter oder verkrüppelter Bruce Wayne. Das ist dann auch der Grund, warum Batman zu wenig Batman-Shit macht. Keine Batarangs, kein Rumgeflatter, keine Rauchgranaten, keine Gadgets … von den pompösen Vehikeln mal abgesehen. Ich will in einem Batman-Film sehen wie er ein paar Ganoven die Rippen bricht, wie er Bankräuber mit blitzschnellen Tritten und Kombinationen aus Gadgets und Martial-Arts stoppt, oder sich elegant und geschmeidig durch Horden von Schurken prügelt. Doch Chris Nolan hat sich in “TDKR” so sehr auf die psychisch-emotionale Komponente hinter dem Helden versteift, dass er ein bisschen vergessen hat, was den Spaß an diesem Comic-Helden eigentlich auszeichnet.

Ich habe hier sicherlich kein “Avengers” erwartet, aber auch und gerade verglichen mit den Vorgängern, war mir hier einfach zu wenig Batman. Klar, Catwoman (die übrigens kein einziges Mal so genannt wird) soll diese Lücke schließen und Anne Hathaway macht auch einen guten Job, aber Catwoman sorry Selina Kyle ist eben nicht Batman.

Und warum geht Nolan nicht in voller Konsequenz den Weg zu Ende, den er mit den beiden Vorgängern begonnen hat? Das Potenzial war ja da! Ich meine damit einen Superhelden-Film für Erwachsene zu machen. Jenseits von “Iron Man”, “Thor” und “Avengers”. Einen Film, der eigentlich ein Actionthriller ist, bei dem die Leute zufälligerweise eben in komischen Kostümen rumlaufen. So wirkt irgendwie alles ein bisschen wie mit angezogener Handbremse. Nicht wirklich finster, nicht wirklich böse, nicht wirklich beängstigend, nicht wirklich “dark”. Ich finde die jüngsten Batman-Spiele aus dem Hause “Rocksteady” heftiger und atmosphärischer als “The Dark Knight Rises” und das ist ein schlechtes Zeichen.

Okay, jetzt hab ich genug gemosert. Ich kann mich eben doch nicht von meiner ganz eigenen Erwartungshaltung befreien. Und so wird es vielen gehen, die eben nach “TDK” den ganz großen Wurf erwarten. Wie gesagt, der Film hat es unheimlich schwer, weil man so viel von ihm erwartet und erhofft.

Ganz objektiv, ohne Fanboy-Brille muss man aber sagen, dass “The Dark Knight Rises” eben TROTZ aller berechtigter Kritik, ziemlich episches Action-Kino ist. Wer sagt, dass ihn der Film kaltgelassen oder gelangweilt hat, der ist schlicht ein Lügner. Ja, man kann und muss ihm vorwerfen das Potenzial nicht voll genutzt zu haben, aber ich sage auch: Wenn jeder Blockbuster auf diesem Niveau ist, dann mache ich mir um Hollywood-Produktionen keine Sorgen. “The Dark Knight Rises” ist schlechter als sein unmittelbarer Vorgänger, aber was sagt das aus, wenn man da von einem der besten Actionfilme aller Zeiten spricht? Geht ins Kino. Genießt über 2,5 Stunden grandiose Kinounterhaltung und lasst euch den Spaß nicht verderben. “The Dark Knight Rises” ist ein guter Film, der es leider verpasst hat ein echter Klassiker zu werden.

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