Kickstarter: Alive and Kicking

Über das Thema Kickstarter haben wir in der Sendung und einem eigenen Plauschangriff schon ausgiebig berichtet und gesprochen. Das Prinzip sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, aber wir sind so nett und erklären euch noch mal eben die wesentlichen Fakten zur (Videospiel-)Finanzierung mit Hilfe von Kickstarter: Es beginnt damit, dass jemand gern ein Videospiel machen will, dafür aber kein Geld von einem Publisher bekommt. Weil kein Schwein das Team kennt. Oder – ein fast ebenso häufiger Fall – es ist zwar ein großer Name dabei, das Genre ist aber eher was für die Nische und nicht fürs Spieleregal im Media Markt. Oder der involvierte Videospiel-Veteran ist ein paar Jahre bis Jahrzehnte über seinen Zenit hinaus, möchte sich aber trotzdem noch mal den Wunsch von einem eigenen Spiel erfüllen.
Dann wird ein Zielbetrag festgelegt, der für die Finanzierung gebraucht wird und es folgen ein paar Wochen, in denen Interessierte Geld ins Projekt buttern – oder eben nicht. Kommt der angestrebte Betrag zustande, wird er ausgezahlt und die Entwicklung geht los oder weiter. Die so genannten “Backer”, die ihr Geld ins Projekt gepumpt haben, erhalten zudem eine Belohnung, die je nach Investment ganz unterschiedlich ausfällt: Für eine Handvoll Dollar bekommt man häufig schon das Spiel nach dessen Fertigstellung. Für eine Million Dollar gibt’s dann den Flug zum Mars und dort noch ein Dinner mit dem Team. Oder so ähnlich.
Wird die Zielsumme nicht erreicht, ist das bereitgestellte Geld nicht etwa verloren, sondern geht einfach wieder an die Unterstützer zurück. Viele Projekte wurden mittlerweile erfolgreich finanziert, auf die Fertigstellung der ersten “großen” Titel warten wir allerdings noch. Trotzdem reißt die Kickstarter-Begeisterung nicht ab, spendable Optimisten stecken Tag für Tag ihr Geld in Konzepte und Visionen aus denen mutmaßlich mal gute Spiele werden.
Wir haben am Wochenende mal geschaut, was aktuell auf Kickstarter los ist und stellen euch einige interessante Projekte vor.
Nur noch bis Freitag, den 31. August, habt ihr Zeit, um “Project Giana” zu unterstützen. Die Älteren unter euch mögen schon mal von “The Great Giana Sisters” gehört haben, einem doch recht dreisten, aber spielenswerten Klon von “Super Mario Bros.”, der Ende der 80er Jahre für diverse Heimcomputer erschien. Die allzu offensichtlichen Anleihen fand Nintendo seinerzeit eher doof, seit einigen Jahren scheint der Groll gegen Giana aber verschwunden zu sein, denn bereits 2009 gab’s mit “Giana Sisters DS” eine Fortsetzung für den Nintendo DS.
Das jetzt auf Kickstarter um Unterstützer werbende “Project Giana” soll hingegen für den PC erscheinen. Es entsteht wie seine Vorgänger in Deutschland – und der Name scheint primär auch hierzulande zu ziehen. Wenige Tage vor Kassenschluss fehlen noch 25.000 der im Vergleich ohnehin eher bescheidenen 150.000 Euro, die sich die Entwickler wünschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Spieleprojekten auf Kickstarter, die bisher nur im Kopf ihrer späteren Erschaffer oder bestenfalls in groben Stücken existieren, steht “Project Giana” schon kurz vor der Fertigstellung. Mittlerweile wurde eine spielbare Demo mit zwei Levels veröffentlicht, die ihr euch auf der offiziellen Homepage herunterladen könnt.
Wir haben die Demo am Wochenende durchgespielt und Grafik sowie Sound haben schnell gezeigt, dass Black Forest Games schon vor der Kickstarter-Kampagne eine ganze Menge Arbeit in das Spiel gesteckt haben dürfte. Die schicke Optik erinnert uns sehr an “Trine”, die Musik passt sich dynamisch dem Spielverlauf an. Wichtiger ist aber, dass Giana jetzt auf eigenen Gameplay-Füßen steht: Während “Mario” zumindest im 2D-Bereich selbst sein größter Klon geworden ist, setzt “Project Giana” auf eine interessante eigenständige Mechanik: Auf Knopfdruck wechselt ihr zwischen der heiter-bunten Standardwelt und einer “düsteren” Variante, in der ihr dann mit Gianas rotzgöriger Punk-Schwester unterwegs seid, hin und her. Das Ganze ist nicht nur optischer Gag, die beiden Giana-Ausgaben unterscheiden sich auch in ihren Fähigkeiten: Die brave Giana kann durch die Luft schweben, ihr Punk-Pendant hat dafür eine Dash-Attacke drauf. Auch Objekte in der Spielwelt verhalten sich je nach Spielwelt unterschiedlich, Plattformen fahren zum Beispiel in verschiedene Richtungen.
Die zwei zur Verfügung stehenden Levels sind nicht wirklich lang genug, um sich schon ein echtes Urteil über die spielerischen Qualitäten des Spiels zu erlauben, aber seht’s mal so: Wo sonst bekommt ihr bei einem Spieleprojekt auf Kickstarter überhaupt eine spielbare Demo geboten? Also schaut es euch einfach mal an, kostet ja nichts. Solltet ihr euch dann dazu entschließen, die Entwickler unterstützen zu wollen, macht am besten gleich mindestens 10 Dollar locker, dann erhaltet ihr (voraussichtlich im Oktober) eine Download-Version des fertigen Spiels.
Update vom 29. August:
Heute hat Black Forest Games das große Ziel, 150.000 Dollar, erreicht. Alles, was nun darüber hinausgeht, wird dabei helfen, das Spiel noch ein bisschen besser zu machen. Sollte in den verbleibenden zwei Tagen die 200.000er-Marke erreicht werden, finden zusätzliche Levels und ein Hardcore-Modus ihren Weg ins Spiel.
Auf der nächsten Seite geht’s unter anderem mit dem Comeback eines Adventure-Klassikers weiter.
