Kinder, was war das für ein August, was? Erst Wacken, dann gamescom! Heißt: Hundertausende von schwitzenden, drängelnden Menschen prügeln sich um jeden Quadratzentimeter Raum, um sich bei ohrenbetäubender Lautstärke mehr oder minder gelungene Shows anzusehen. Zur gamescom dürfte mittlerweile alles gesagt sein. Blickt stattdessen mit mir zurück auf drei Wacken-Tage des Wahnsinns voller Metal, Matsch und …
(Hier habe ich Fabian und Chris gebeten, mir ein drittes lustiges Wort mit M zu nennen. Ihre Vorschläge: Menetekel, Mettigel, Montagsmeeting. Danke, Jungs. Wenn ich euch nicht hätte).
Und weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, die ihr vermutlich eh nicht lesen wollt, verzichte ich auf eine umfassende Beschreibung und lasse einfach die Fotos für sich sprechen. Die schlimmsten habe ich selbstredend vorher aussortiert. Glaubt mir, das hättet ihr nicht sehen wollen. NIEMALS.
So, jetzt aber – die Wacken-Story als großer Foto-Liebesroman, der natürlich auf gar keinen Fall mit Augenzwinkern, sondern ganz wörtlich und bierernst zu nehmen ist! Biddeschön:
Donnerstag, 8.30 Uhr. Kurz vor Abfahrt. Der Party-Truck ist voll beladen. Dumm nur, dass wir noch einkaufen müssen.
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Unsere Devise: Das beste Frühstück ist ein flüssiges Frühstück! Natürlich achten wir auf bewusste Ernährung und kaufen jede Menge Vitamine ein.
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Wir sind da. Mit diesen beiden Karten und einem schicken Bändchen am Handgelenk sollen sich fortan alle Pforten für mich öffnen. Na ja ... FAST alle.
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Ich wette, irgendwo in diesem Bild hat der Künstler einen kleinen Schniedel versteckt.
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Hurra, die Zelte sind aufgebaut! Im Hintergrund macht sich Groupie Andre schon bereit für die erste Nachtschicht. Mir entfährt ein wohliger Seufzer.
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Schon ist es Zeit für unsere Diskussionsrunde. Die Analyse Heideggers fundamentalontologischen Hauptwerkes "Sein und Zeit" fällt hitzig aus. "Ich sag euch, ein Krake wäre ein guter Gefährte!", so Diskutant Nils aufbrausend. Ich nicke anerkennend.
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Um uns vor drohendem Unwetter zu schützen, bauen wir langsam mal den Pavillion auf. "Fertig!" rufe ich nach nur wenigen Handgriffen und setze mich wieder hin, höchst zufrieden mit meinem Werk.
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Irgendwie kam das bei den Kollegen nicht so gut an. Ich weiß wirklich nicht, was die von mir wollen.
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Wir kriegen den sch*** Pavillion nicht aufgebaut. Die abgebildete Bedienungsanleitung hilft nicht weiter. Ich werde das Gefühl nicht los, dass da irgendwas nicht stimmt.
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Auf die Frage, ob die Herrschaften nicht mal helfen wollten, antwortet Ben gewohnt verschmitzt. Schön, dass endlich die Anspannung des Alltags von uns abfällt!
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Auch ich erkenne allmählich die Vorzüge der nonverbalen Kommunikation und beschließe, fortan jeden so zu begrüßen, unabhängig von Geschlecht, Alter und Muskelmasse.
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Und dieses prachtvolle Stück Land soll für die nächsten vier Tage unser Refugium sein, direkt neben den Mädels von Allwörden (auf Wunsch nicht im Bild). Für zotige "Brötchen im Ofen"-Kalauer sind wir uns nicht zu schade.
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Blitztest! "Hey, Sven, wie spät ist es?" - Sven ist ein schneller Lerner.
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Jetzt ist aber Zeit für das erste Bier! Sagte ich "erste"? Ist natürlich Quatsch. Es war so gegen 13 Uhr, dürfte also das fünfte gewesen sein.
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Zweieinhalb Minuten nach Erstbezug unseres Lagers schlich sich bereits eine gewisse Unordnung rein.
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So allmählich dämmert mir, worauf ich mich hier eingelassen habe. Das Wichtigste ist jetzt, Ruhe zu bewahren und keine Angst zu zeigen.
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Stillleben, "Wacken in Alk", 2012
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Jetzt aber! Endlich geht es auf zum Festivalgelände, wo viele, viele Bands laute, laute Musik spielen. Übrigens: Wegen der Gummistiefel wurde ich zunächst ausgelacht. Auf Knien sollten sie bei mir Abbitte leisten.
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Erste Band: Sepultura. Bei "Roots Bloody Roots" habe ich eine meterdicke Gänsehaut. Jüngere Semester werden nur ratlos gucken, aber ich sage euch: Sepultura haben mal so hart gerockt, dass die Erschütterungen immer noch spürbar sind.
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30 halbnackte Männer, die rhythmisch auf dicke Fässer trommeln. - Kein Porno, sondern Sepultura.
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Erinnert euch an dieses vermeintlich unspektakuläre Bild. Merkt euch: Trocken. Kein Schlamm.
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Abends bei Unearth. Sehr laut. Sehr voll. Sehr gut.
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Diese Beschreibung trifft übrigens auch auf uns zu.
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Jup, die Phase der peinlichen Gruppenfotos erreicht nunmehr ihren Höhepunkt. Oder eher Tiefpunkt.
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Was man spät Abends alles so faszinierend findet: Links und rechts der Bierbar sind diese stählernen Drachenköpfe, die regelmäßig Feuer spucken. Ich bin restlos begeistert.
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Okay, EIN bescheuertes Foto noch, dann ist aber gut, Leute.
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Groupie Andre will mich mit einem Schlummertrunk gefügig machen. Ich ahne, was mir blüht, kann mich aber nicht so richtig wehren. Ehrlich gesagt, ist der erschreckte Blick nur Show. In Wahrheit ist mir schon längst alles egal.
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Am nächsten Morgen. Mein Kopf wiegt etwa drei Zentner, meine Leber rasselt und irgendwas ist mir heute Nacht in den Mund gekrabbelt und dort gestorben. Ich lasse mir jedoch nichts anmerken. Gefühlkskälte und Körperbeherrschung sind heutzutage Trumpf.
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10:37. Auch wenn der Frühstückstisch reichlich gedeckt ist, nehme ich mir vor, heute mal weniger zu trinken. Wenigstens bis Nachmittag.
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10:39. Gottverdammt.
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So langsam werden Menschen gebrochen. Meine gesunde Gesichtsfarbe rührt von einer läppischen Sonnenstunde vor dem Zelt. Ich bitte besonders die jungen Männer am rechten unteren Bildschirmrand sowie schräg hinter mir zu beachten.
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Der junge Mann am rechten unteren Bildschirmrand hat sich nur tot gestellt und springt mich auf einmal an. Seine Frage, ob "Simon und Budi hier auch irgendwo" seien, beantworte ich gewohnt charmant und mit einem Lächeln, das Herzen wärmt.
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Wenn ich gewusst hätte, dass dies das letzte Mal sein würde, dass wir auf trockenem Boden sitzen können, hätte ich es mehr genossen.
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Denn jetzt geht es los. Wacken 2012. Der Himmel kotzt. Wir ahnen noch nicht, was uns bevorsteht.
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Und auf einmal bin ich mit meinem Gummitretern der Chef im Ring. Ich genieße die neidischen Blicke meiner Freunde, gebe mich aber betont jovial: "Ach, das bisschen Schlamm, ist doch nicht so schlimm!"
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Auf zum Beergarden, wo eine Blaskapelle gerade eine Instrumentalversion des alten Gassenhauers "Anita" zu Gehör bringt. Nicht nur äußerlich, auch innerlich werden wir immer nasser. Und damit werden auch die Lieder immer besser.
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Die Kapelle setzt zu "Ich war noch niemals in New York" an. In wenigen Sekunden wird diese wachsweiche Masse zu einem tobenden Mob. Ich freue mich schon.
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Man beachte die Blickrichtungen: Ist ja wohl klar, wer hier die Prioritäten richtig erkennt.
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Und wer hat jetzt schon wieder die Lampen an? Na? Genau! Der Typ hinten links mit der Jägermeister-Mütze. Ich meine, echt mal, meine Güte.
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Kurzer Zwischenstand von der Matsch-Front: Die UN erwägt, Blauhelme ins Krisengebiet zu schicken.
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Manchmal ist ein Bandname aussagekräftiger als jede Beschreibung: Sacred Reich.
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"Was Kristen Stewart da Robert Pattinson angetan hat, ist echt voll mies!", so "Twilight"-Fan Jens-Malte N. empört. Die Poster hängt er aber trotzdem nicht ab. "Dafür bin ich dann doch zu sehr Fan", so der Mittvierziger schmunzelnd.
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Dimmu von weit weg.
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Nicht mal auf der Weltmesse der Totengräber sieht man so viele schwarze Klamotten wie in Wacken.
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Dimmu Borgir mit Orchester verabschieden sich standesgemäß von der Bühne. Geil abgeliefert, Jungs!
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Wenn die Nacht hereinbricht, brennt der Rinderschädel. Klingt ein bisschen wie aus den Gespenster-Geschichten.
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Während Freiherr Eduard zu Gömpelmann-Brümme (links) rasch seine Aktien checkt, zermartert sich Maria C. (rechts) den Kopf, wie man den weltweiten CO2-Ausstoß reduzieren kann. "Die Politik muss endlich proaktiv dieses Thema anpacken!", so C.
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Nochmal kurz zurück zum Rinderschädel: Mit Feuerwerk gleich nochmal so schön!
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Ab einer gewissen Uhrzeit stellt einen auch die Frage, wo man sich gerade befindet, vor gewisse intellektuelle Herausforderungen.
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Und dann geht's ab: In Flames erscheinen auf der Bühne und treten Arsch, als wäre es ein Arschtrittwettbewerb. Ich bin nicht sehr gut in Metaphern. Sie rocken.
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Die Menge feiert In Flames, als wäre es ein Wettbewerb, in dem man In Flames feiern muss. Ach, fuck it.
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Das ist irgendwie mein Lieblingsbild.
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Samstag, letzter Festivaltag. Mit einer fröhlichen Melodie auf den Lippen begrüße ich den frischen Morgen, als wäre er mein bester Freund.
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Ich glaube, da ist mir gerade einer meiner Augenringe aus dem Gesicht gefallen.
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So langsam wird Groupie Andre aufdringlich. Ich sage zwar nix, finde die Situation mittlerweile aber ein wenig peinlich.
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Ich rette mich ins Zelt, wo der unvergleichliche Henry Rollins auftritt. Authentisch, geradeaus und witzig: Der Mann kann einem die Lachtränen in die Augen treiben. Und die Tränen.
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Zurück zu hartem Geknüppel bei Dark Funeral. Leider bei strahlendem Sonnenschein. Fronter Steve ist wie immer ein Tier, aber der Funke will nicht so recht überspringen.
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Erinnert ihr euch an das Bild vom Gelände OHNE Matsch? So sah es dann später aus.
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In diesem Schlamm-Meer sind Gerüchten zufolge drei Kleinwagen, eine Großfamilie (Vater, Mutter, elf Söhne, Opa, Schwipp-Schwager) und eine finnische Death-Metal-Band versunken.
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Erste Hilfe Wacken-style: Gaffer hält die Welt zusammen. Und notfalls auch die Stiefel.
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Auch wenn der eine Typ da hart feiert, nudeln Paradise Lost eher müde ihr Programm runter. Schade, ihr alten Helden.
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Und plötzlich: Kühe!
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Ich habe keine Ahnung, welche Band das war. Trotz des ansprechenden Artworks. Sachdienliche Hinweise bitte an die örtliche Polizeidienststelle oder an mich.
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Dieser Mann hat einen schwarzen Gürtel im Es-Durchziehen.
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Megaherz. Ja, habe ich mir angeguckt. Ganz ernsthaft. Darf man vor total truen Metallern ja nicht sagen, aber: "Miststück" ist und bleibt ein geiler Song.
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Zur letzten Stärkung des Tages suchen wir nochmal unsere Zelt-Siedlung auf.
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Langsam versinkt die Sonne. Wacken 2012 nähert sich dem Ende. Wir werden schon jetzt ein wenig melancholisch.
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Und dann, während die Scorpions spielen, der finale Wolkenbruch. Wir wissen: Danach kommen Machine Head, und da WERDEN wir sein, bei Wotan. Und wenn die Welt untergeht.
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Die Scheinwerfer weisen uns den Weg zum wahren Metal. Machine Fucking Head treten auf. Ich bin schön völlig hibbelig und sabbere auch ein bisschen.
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Und dann ist es so weit: Je besser das Konzert, desto mieser die Fotos. Ihr seht: Es war ein epochaler Gig. Mein Nacken tut immer noch ein bisschen weg.
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Das Konzert beginnt mit "I Am Hell (Sonata in C#)", berührt "Aesthetics of Hate" und endet mit "Davidian". Nicht nur die Beatles sind größer als Jesus.
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Danach kamen noch Ministry, aber davon habe ich kein Foto, denn da habe ich NUR NOCH gebangt. Deswegen seht ihr hier nur irgendwelche Leute. See you next year, Wacken.
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Ach ja, und wenn ihr euch jetzt beschwert, dass es ja kaum Bandfotos gab, dann kann euch geholfen werden! Bestaunt eine kleine Auswahl wunderschöner Digitalfotografien, geknipst von meinem guten Freund und Superfotograf Ben!
Wenn ihr diesem unverschämt gut aussehenden, netten und nach Pfirsichen duftenden jungen Mann einen Gefallen tun wollt, dann besucht seine Seite. Da findet ihr nicht nur viele schöne Texte über Filme und Musik, sondern vor allem auch noch mehr Fotos vom Wacken.
Und jetzt ihr: Wart ihr schon mal auf Wacken? Wollt ihr hin? Zu welchen Bands? Und vor allem: Was hat so ein Bericht zur Hölle auf einer Seite über Videospiele verloren? Ich freue mich auf eure Theorien!