Interviews: Wie wird man Spieleredakteur? Teil 4
Name:
Daniel Budiman begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting begin_of_the_skype_highlighting end_of_the_skype_highlighting
Ehemalige Position(en) in Spieleredaktionen:
Praktikant, Volontär, Netzreporter, Freiberufl. Redakteur, Gebückt, Stehend, Anlehnend, Hinten in der Ecke, Zwischen Pappe, Spraydosen und anderen komischen Dingen wie Kollegen.
Wie bist du in die Branche gekommen?
Keine Ahnung. bzw. doch, aber ich habe keine Ahnung wie man das gescheit erklären kann. Ich hab viel Vereinssport betrieben mit vielen Punktspielen. Dann kam “Counter-Strike”. Und “Starcraft”. Und auch “DSA”. Zwischenzeitlich hatten zwei Bekannte von mir an Internetseiten rumgebastelt und die Seite partysnacks.de entworfen, auf der wir Artikel zu Chipssorten, Schokoriegeln und anderen Snacks geschrieben haben. Beziehungsweise wollten, aber nicht taten, weil wir zu sehr mit Essen beschäftigt waren. Aber immerhin hatten wir Kriterien und gewisse Kategorien. Zum Beispiel den Crunsh-, bzw. Sudfaktor. Dann: Mehr gespielt, mehr Snacks gegessen und irgendwann angefangen mehr über die Spiele als über die Snacks nachzudenken. Über einen Kollegen bin ich dann zu einer anderen Seite gekommen, auf der ich einen “Anno 1602”-Test schreiben durfte. Dafür gab es das Spiel umsonst. Danach: Zivildienst, “Diablo 2”, Lan-Parties und Clanwars, dann durch Glück ein Praktikum bei NBC GIGA bekommen und sehr schlimme Menschen kennengelernt. Dort habe ich dann ein redaktionelles Volontariat absolviert und währenddessen Eddy, Simon, Nils, Pepper, Wolf, Chris und extrem viele andere Kollegen hassen und lieben gelernt. Im Anschluss Simon, Hamburg, GameOne.
Welche Fähigkeiten sind in einer Spieleredaktion gefragt? Spieletalent vor Rechtschreibung? Highscore vor Fachwissen?
Das kommt zum Glück auf die jeweiligen Redaktionen an. Wir brauchen nicht darüber zu schnacken, dass die Gamesentwicklung nicht mehr mit Fackeln und Heugabeln durch die Stadt getrieben werden muss, und dass es inzwischen im Prinzip für jeden Geschmack und für jeden Typen diverse Games und Themen gibt. Ich bin froh, dass es so viele unterschiedliche Redaktionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Ausrichtungen gibt, dass so viele Interessierte und so viele Nerds ihre eigenen Stile haben und somit das Thema wirklich vorantreiben können. Aber natürlich sind die Basics wie Rechtschreibung, Fachwissen und Wahnsinn wichtig – allerdings wesentlich weniger wichtig als ein ausgeprägter Spieltrieb, den Hang zum Detail und ein dickes Fell. Schließlich motzen Gamer so gerne. Achso und Geld. Geld ist wahrscheinlich die wichtigste Fähigkeit. Von Allen.
Denkst du, dass ein Studium den Einstieg in eine Spieleredaktion erleichtert? Ist es in deinen Augen eventuell sogar nötig?
Wenn die Öffentlich Rechtlichen irgendwann mal eine Spieleredaktion haben sollten, ja. Ohne Hochschul-Gelöt würde da wahrscheinlich wenig zu machen sein. Ansonsten, nein. Ein Studium ist nicht zwingend nötig, und erleichtert auch nicht unbedingt einen Einstieg. Es sei denn es geht um renommierte Magazine aus guten, großen Verlagshäusern, die nur wenige Stellen anbieten und aus Tausenden Bewerbungen auswählen müssen. Da kommt ein “SC2”-Jurist wahrscheinlich besser an. Der kann dann direkt über “Starcraft” schreiben und gleichzeitig irgendwen verklagen. Apropos: Bist du zufällig Jurist?
Wie hat sich die Branche seit deinem Einstieg verändert?
Zuerst gab es nur so analoge Spiele. Dann wenige digitale. Dann immer mehr. Sie wurden dabei auch immer bunter, multidimensionaler, emotionaler und teurer. Wann es genau geknallt hat, wissen wahrscheinlich nur Studenten. Aber irgendwann hat es mächtig Bumms gemacht, eine Menge Pioniere/Spielkinder haben eine neues, eigenes Medium aufgebaut, mehr und mehr Leute sind dazu gestoßen und mehr und mehr Facetten/Games sind aufgetaucht. Anders als noch vor wenigen Jahren ist unser Thema ganz klar in der Gesellschaft angekommen. Mit Allem, was man mit dem Thema verbinden kann. Mit Geld zum Beispiel. Natürlich. Angeblich passiert im Moment das Gleiche mit der Spielebranche, was auch schon mit der Musikbranche/Musikindustrie passierte. Ein kreatives Medium wurde erkannt, populär und nun wollen alle mitmachen. Je mehr Leute Spiele gut finden, desto größer ist auch das Angebot. Je besser das Angebot, desto mehr Geld lässt sich machen. Je mehr Geld man damit machen kann, desto mehr Menschen versuchen selbst in der Branche mit einzusteigen. Egal als was. Dann Rock’n’Roll! Und dann Modern Talking. Aus Plug’n’Play wird somit eher Plug’n’Pay, allgemein soll mehr Geld aus großen Spiel-Produktionen für noch größere Produktionen, und mehr Reaktionen aus mehr Redaktionen verdient werden. Im Prinzip ist das überhaupt nichts Verwerfliches. Nur macht diese starke, industrielle Entwicklung fast schon zu große Schritte. Aber naja, es hat halt irgendwann mal mächtig Bumms gemacht. Und seit dem Urknall der Spielebranche hat sich nahezu alles verändert. Bis auf diesen einen, simplen, naiven Fakt: Die (Weiter-)Entwicklung von Games und der Spielebranche ist nicht aufhaltbar. Auch nicht durch einen Dieter Bohlen. Also … Naja, so ähnlich.
Was denkst du über Printmagazine und Online? Wie sieht die Zukunft der Spieleredaktion aus?
Es wird speziellere und individuellere Magazine mit stärkerem subjektivem Bezug geben. Reine Nachrichten über Neuerscheinungen sind ja schon jetzt nahezu Randerscheinungen. Das Ganze wird dann schön multimedial sowohl im Print-, Web-, und hoffentlich auch mehr und variantenreicher im TV-Bereich bearbeitet. Im Printbereich gibt es schon jetzt viele gute neue Ansätze, allerdings bewegen die sich leider nicht zu krasser Musik und schnellen Schnitten. Im Web kann man so schön Trailer und Videos veröffentlichen. Ein Printmagazin dagegen sollte sich meiner Meinung nach auf sein Medium konzentrieren und intensive Reportagen, gute Interviews und tiefergehende Geschichten mit hochauflösenden Bilder präsentieren. So etwas zu konsumieren, brauch einfach seine Zeit. Und keine hektischen Bilder. Was definitiv häufiger vorkommen wird, sind Veröffentlichungen eigener kreativer Video-, Text- und/oder Audio-Kompositionen kreativer Köpfe, die jegliche Medien einfach wild zusammenmixen. Ein kleines Beispiel: Linkin Park und ihr öffentlich zur Schau gestelltes Musikvideo zu Medal of Honor. Und als ein wesentlich besseres Beispiel bei gleichen Bedingungen: Die 3Typen und ihre Antwort Metal of H0n0r. Anhand dieser beiden Musikvideos erkennt man gewisse Tendenzen, die sowohl gut als auch schlecht sein können. Die gute Variante: Verschiedene Nerd-Disziplinen werden kombiniert, Musik wird frei kreativ zu Games und deren Stimmung interpretiert, komponiert, umgesetzt, zu passenden Ingame-Szenen geschnitten und veröffentlicht. Im Vergleich dazu steht die negative Variante: Eine großer Bandname wird eher für Promo-Zwecke genutzt, ohne ein wirklich in sich stimmiges Endprodukt, wie in diesem Fall ein Musikvideo, zu veröffentlichen. 3Typen > Linkin Park. Dabei fand ich Linkin Park eigentlich doch ganz nett … Naja, ich schweife ab.
Macht es dir noch Spaß Spiele zu spielen oder verkommt es zur Arbeit?
“Oder verkommt es zur Arbeit” … Wenn man sich das Ganze hier mal genau überlegt, ist es doch ganz schön wirr. Ich meine, wir sind in diesem vierten Teil aus der Reihe “Wie werde ich Spieleredakteur” allesamt Mitarbeiter einer Sendung, auf deren Seite ihr Euch gerade befindet. Demnach könnten wir natürlich durchgängig krasse Eigenwerbung machen. Oder wahllos eigene Kollegen beschimpfen. @Chris: Son Scheiß Beitrag alter. @Simon: (o)(o) @Uke: Humpey! Wir könnten aber auch den Ganzen Krams und Klimmbumms einfach mal so gut es geht ausblenden – oder es zumindest versuchen – und einfach mal auf die doofen Fragen vom Chris antworten. Demnach würde ich sagen: Spielen ist derbe zur Arbeit verkommen. Aber es macht mir immer noch derben Spaß. Und es gibt auch oft Phasen, wo ich einfach mal abschalten muss und gar kein Bock auf technisches Gelöt habe. Dann wird halt mal was anderes gespielt. Starcraft 2 zum Beispiel. Oder Ehemann.
Dein wichtigster Tipp für Schüler, die gerne Spieleredakteur werden wollen?
Kopp anmachen, Augen aufhalten, weniger einzelne Spiele perfide (technisch) durchtesten, sondern viel mehr darüber nachdenken, was ein bestimmtes Spiel eigentlich mit einem selbst anstellt. Und informiert Euch. Über Alles. Auch über Geld. Sonst endet ihr wie der Großteil unserer Redaktion.
